Ferien in Frankreich

Projekt “Biographie-Arbeit mit älteren Menschen”

Ferien gehören zum Leben, wie Verpflichtungen, Pflichterfüllung, Arbeit, Freizeit, Vergnügen. In unserer Familie waren Ferien eines der Highlights auf die wir jedes Jahr warteten. Am schönsten war die Vorbereitung, wo jeder seine Wünsche einbringen konnte, die aber auch den  erzieherischen Effekt hatten, dass nicht  alles machbar war und auch die Erfüllung der Wünsche oder ebenso auch Verzicht in irgendeiner Weise bedeuten konnte, aber eine Lösung, mit der alle einverstanden waren, wurde immer gefunden, wobei unser aller Lieblingsziele damals die Nordseeinseln oder Frankreich waren.

Ich erinnere mich an einen Urlaub in Frankreich auf dem uns bewusst wurde, wie sehr die Vergangenheit des 2. Weltkrieges uns noch immer belastet und vor Augen geführt wird. Frankreich ist ein wunderschönes Reiseland, aber die Begegnungen mit Zeitzeugen des 2. Weltkrieges, riefen und rufen, vor allem bei der älteren Generation immer noch Ressentiments gegenüber den Deutschen hervor. Spuren dieser Zeit sind noch überall zu finden, vor allem in der Normandie und der Bretagne. Und bei uns wird immer wieder die Frage laut und die Feststellung bekräftigt  der Schuld unserer Generation. Werden wir jemals davon frei sein können? Wir haben viele schöne, positive Erlebnisse gehabt, sind vielen freundlichen, ja liebenswerten Menschen begegnet, vielleicht auch, weil uns die französische Sprache  nicht fremd war, unsere Kinder zum Austausch in Frankreich waren und unsere Gegeneinladung mit den Schülern uns näher zusammen führte und uns Einblick in das Gedankengut dieser jungen Generation der Franzosen gab.

Ulrich Wickert schreibt in einem seiner Bücher über die Franzosen…“dennoch ist unser westlicher Nachbar ein fremder Freund geblieben“. Uns waren und sind sie mehr Freund, waren wir doch noch Kinder während des 2. Weltkrieges und haben die Schrecken Szenarien nur gefiltert in unser Bewusstsein  aufgenommen. Und doch, bei aller Freundlichkeit, die wir im persönlichen Kontakt mit den Franzosen erlebten, erlebten wir auch beklemmende Momente. Ich erinnere mich an eine Begegnung mit einem Franzosen der älteren Generation. Wir standen in der Provence an einem wunderschönen Ausblick über das Land und wollten dieses einmalige Bild festhalten, gerne mit uns im Vordergrund. Ein zufällig anwesender älterer Herr, bot sich an, uns zu fotografieren sehr freundlich, sehr zuvorkommend. Dann bemerkte er, dass wir Deutsche waren. Sofort änderte sich sein Verhalten und er reagierte höflich aber distanziert, wie sagt man in Frankreich, er „wahrte die Contenance“. Ebenso ging es uns in einem Hotel, wo wir zwar die besondere Freundlichkeit und Aufmerksamkeit des Hotelbesitzers erfuhren, unter den Gästen aber Franzosen waren, die uns die Abneigung spüren ließen, aber trotzdem höflich blieben. Ganz im Gegensatz dazu erlebten wir die Begegnung mit dem Besitzer eines Ferienhauses in der Bretagne, den der 2. Weltkrieg auch nicht verschont hatte. Er wollte vergessen und überschüttete uns mit freundlichen Gesten. So brachte er uns täglich Blumen und Gemüse aus seinem Garten und ließ uns somit wissen, dass wir willkommen waren. Zwei Beispiele, die zeigen sollen wie das Deutsch-Französische Verhältnis vor 35 Jahren war. Und wie sieht es heute aus, zwischen den beiden Ländern? Viele versöhnliche Aktionen haben stattgefunden, man begegnet sich mit Respekt aber auch mit Freundschaft? Politisch hat sich viel getan, das gegenseitige  Angekommen sein ist vollzogen, aber auch uneingeschränkte Freundschaft? Vielleicht, ich glaube es ist so bestimmt in der jungen Generation, die gemeinsame Ziele haben, die Projekte verbindet, die Europäer sind. Nicht alles lässt sich ausräumen, aber auch das liegt in der Natur der Sache. Frankreich ist für die meisten Deutschen kein Reiseland im üblichen Sinne. Frankreich sollten Menschen besuchen, die die wunderschöne Landschaft, ihre Kultur und Kunst und ihre Menschen kennenlernen wollen. Nur so kann man Vorurteile abbauen und eine Brücke schlagen von Menschen zu Menschen.

Hinterlasse einen Kommentar