Der Brexit

Gedanken einer Seniorin zum Brexit
von A.H.
Der Brexit

Der Brexit hat nicht nur in Europa, nein in der ganzen Welt zwiespältige Reaktionen ausgelöst. Wir leben im 21. Jahrhundert, in einer Zukunft, die nicht in alten Traditionen verharren sollte. Wer wächst in diese Welt hinein? Junge, schon jetzt sehr weltoffene Menschen. Wollen wir wieder für sie Grenzen, Zölle, Abhängigkeit, Menschenfeindlichkeit?
Wie sah es denn aus nach dem Krieg! Von Selbstbestimmung waren wir weit entfernt. Wir leben in einer globalen Welt, das bedeutet über Grenzen hinweg frei zu sein, das bedeutet eben auch Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, Toleranz, Offenheit, Anerkennung anderer Länder und Menschen. Bereitwilligkeit zur Aufnahme von Krieg verfolgter, traumatisierter Menschen. Flüchtlinge, die auf legalen Wege hier Schutz oder ein neues Zuhause suchen.
Mich erinnert die momentane Situation an das Europa vor der Zeit der EU wo Kontrollen, Zölle an Grenzen und eingeschränkte Reisefreiheit und eingeschränkte Wahl des Arbeitsmarktes zum Alltag gehörten.
Wir wohnten nach dem Krieg an der holländischen Grenze und unser Weg führte uns oft über die Grenze ,um dort Lebensmittel einzukaufen, die es bei uns nicht gab, dort aber genügend vorhanden waren. In diesen kleinen, freundlichen Städtchen erfuhren wir so viel Freundlichkeit, ja Herzlichkeit und Mitgefühl. Vor unseren Einkauf bewirteten uns die Geschäftsleute königlich, für uns immer eine besondere Freude. Es entwickelte sich im Laufe der Jahre eine echte Freundschaft zwischen uns, die nach Jahren, als wir aus unsrem Wohnort weggezogen waren zu Ende ging, aber unvergessen bleibt. Freundschaft kennt keine Grenzen, aber Menschen, die einander mögen und verstehen. Das war unsere Erfahrung. Und wie sieht es heute in Europa aus? Gemeinsam sind wir stark, das zeigt sich in vielen wichtigen Entscheidungen, da herrscht Einigkeit, da ist der Zusammenhalt groß. Aber es gibt auch noch so viel Trennendes. Und doch erleben wir wie Europa Land um Land größer wird, sich vereint zu einer Gemeinschaft, wie Menschen zusammen wachsen, zusammen leben lernen, sich austauschen, verständigen, die Nähe finden. Wir sind die europäische Gemeinschaft mit Rechten und Pflichten, die viele gemeinsame Ziele hat, die Niederlagen und Anerkennung erlebt und die sich der Kritik, den Rückschlägen und Fehlentscheidungen stellen muss. Aber damit und dadurch lebt die Welt, das Land, das Volk. Das ist das, was gemeinsames Leben ausmacht. Früher wurde und wird teils noch das Leben von diktatorischen Machthabern bestimmt. Heute, im vereinten Europa hat auch das Volk Mitbestimmungsrecht. Aber ist es soweit um richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung zu treffen? Die Zweifel ergeben sich aus der Wahlentscheidung anlässlich des Brexit in England. Aber sie hat die Menschen auch wachgerüttelt, wohl ist diese Entscheidung zu spät, was jetzt schwerwiegende Folgen nach sich ziehen wird, und aus der es wohl kein Zurück mehr gibt. Unsere Freundschaft zu unseren Freunden in Holland war ein kleiner Schritt in Richtung gemeinsamer Völkerverständigung. Gemeinschaft bedeutet geben und nehmen. In der Länder übergreifenden Gemeinschaft der EU will das noch gelernt sein, vor allem in der Flüchtlingsfrage. Soll die EU bestehen bleiben, muss es ein gemeinsamer Weg werden, sollten wir Freunde werden. Nur so funktioniert Einheit.

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