Eine Begegnung im Park

Text aus unserem Projekt „Biografie Arbeit mit älteren Menschen“

von H. B.

Es muss einer der ersten Frühlingstage 2016 gewesen sein, die Sonne schien und lockte mich nach draußen. Wie meistens ging ich mit kleinen Umwegen in den Arminiuspark. Das Grün der Wiese, die Bäume und Büsche an deren  Zweigen sich bereits kleine Knospen angesetzt hatten und kurz davor standen aufzubrechen. Die Besucher, die spielenden Kinder auf der großen Wiese, ihr Rufen und Lachen, all dies stimmte mich froh.

Mein Weg führte mich weiter hin zur Liboriusquelle, dahin wo das Wasser, das aus der Tiefe der Erde heraussprudelt in einem befestigten Becken aufgefangen wird und mit einem Geländer abgesichert ist. Jenseits der Quelle erhebt sich neben der Burgruine das im vorigen Jahrhundert erbaute Kongresshaus. So wie im ganzen Park laden auch hier davor Bänke zum Ausruhen ein. Um die erste Bank herum hatte sich eine ganze Gruppe von Flüchtlingen versammelt, deren dunkle Hautfarbe anzeigte, dass sie wohl mehr aus den südlichen Teil Afrikas stammten als aus dem Norden.

Es waren junge Menschen mit ihren Kindern und sie unterhielten sich lebhaft, sie schwatzten und lachen. Und als ich auf der benachbarten Bank Platz nahm, überlegte ich, ob sie wohl alle aus einem Land kamen, da sie ja scheinbar einander verstanden.

Wie wenig ich doch über sie wusste, musste ich mir eingestehen. Sicher gab es doch von Land zu Land Unterschiede in ihrer Sprache. In ein paar Jahren würden sie Deutsch können und alles verstehen was wir sagen, so sann ich weiter, aber ihre Sprache wird wohl den meisten von uns ein Rätsel bleiben.

Da löste sich ein junger Mann, schlank und nur mittelgroß aus der Gruppe und ging mit einem kleinen Jungen, der etwa 2-3 Jahre alt war, zum Geländer am Wasser und sie betrachteten die träge dahin schwimmenden Enten. Nur ab und zu erhob sich eine von ihnen und mit den Flügeln schlagend flog sie dahin. Wenn ihre Füße dabei das Wasser streifte entstanden kleine, flache, schnell wieder auslaufende Wellen.

Und mit einem Mal fing der kleine Junge an zu singen in akzentfreien Deutsch klar und deutlich: “alle meine Entchen schwimmen auf dem See“. Die Sicherheit mit der er sang und die korrekte Aussprache des kleinen dunkelhäutigen Jungen rührten mich zutiefst. Und ich sah in die Zukunft, die ich nicht mehr erleben werde. Ich sah ihn als jungen Mann, an seiner Seite eine blonde Frau, genau an dieser Stelle stehen mit einem Kind dessen Haut eine wunderschöne bronzene Farbe besaß.

 

Ein Gedanke zu „Eine Begegnung im Park

  1. Tja, das hat meine Mutter geschrieben – bin stolz darauf – berührende Geschichte – (auch wenn ein paar Kommas fehlten – egal)

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